Warum das CLYOScope® mein neues Lieblingsinstrument ist
- Norbert Distler
- vor 9 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Meine Geschichte mit Stärkentests beginnt 2007 – mit dem VIA-IS, dem Inventory of Strengths. Damals war das für mich eine echte Entdeckung: ein wissenschaftlich fundiertes Instrument, das Menschen nicht in ihre Defizite, sondern in ihre Stärken schauen lässt. Das hat meine Arbeit als Coach grundlegend geprägt.
Dann kam auf Kundenwunsch CliftonStrengths dazu. Über 80 zweitägige Seminare, unzählige Teamentwicklungen, jahrelange intensive Arbeit mit dem Tool. Parallel dazu Instrumente wie das BIP – das Bochumer Inventar zur berufsbezogenen Persönlichkeitsbeschreibung, kein Stärkentest, sondern ein Persönlichkeitstest, aber wissenschaftlich auf hohem Niveau und in der DACH-Praxis bewährt. Ich verdanke all diesen Instrumenten einen Großteil meiner Erfahrung.
Aber als ich das CLYOScope® zum ersten Mal in den Händen hielt, war relativ schnell klar: Das geht nochmal einen Schritt weiter.

Was ich den bisherigen Instrumenten verdanke
CliftonStrengths hat Stärkenarbeit salonfähig gemacht. 34 Talentthemen, weltweit millionenfach eingesetzt, in 26 Sprachen vefügbar – das Tool hat gezeigt, dass Stärkenorientierung kein weiches Thema ist, sondern messbar Leistung und Zufriedenheit steigert.
Der VIA-IS hat eine andere Tür geöffnet: Stärken nicht nur als Leistungstreiber, sondern als Ausdruck von Charakter und gutem Leben. Verwurzelt in der positiven Psychologie, mit 24 Charakterstärken. Beide Instrumente haben meinen Blick auf Menschen nachhaltig verändert.
Die Fortsetzung von Zürich
Und hier wird es spannend: Das CLYOScope® wurde von CLYOS entwickelt, einem Startup der Universität Zürich. Alexander Stahlmann, der wissenschaftliche Kopf hinter dem Test, hat vorher am Lehrstuhl gearbeitet, an dem auch der VIA-IS entstand. Die Arbeit beruht auf den internationalen Forschungsergebnissen zum VIA-IS und der Forschung am Lehrstuhl. Es gibt also eine direkte Fortsetzung – kein Bruch, sondern eine konsequente Weiterentwicklung. Die Züricher Seite des VIA-IS verweist inzwischen auf CLYOS. Das sagt eigentlich alles.
Bei all dem, was ich tue, will ich die Anbindung an die Forschung haben. Einer meiner Professoren hat mal gesagt: Es muss zumindest in Einklang mit der Forschung sein. Das CLYOScope® erfüllt das – und geht darüber hinaus. Neueste Testtheorie, der lexikalische Ansatz, eine empirische Basis aus über 7.000 deutschen Adjektiven.
Ich war im April in der Reflexionsrunde zur Entwicklung der Kategorien dabei – als einer der Experten, die Feedback geben durften. Ende Oktober 2025 dann in der allerersten Zertifizierungsgruppe. Seit dem 1. November ist das CLYOScope® live. Ich durfte also von Anfang an dabei sein und miterleben, wie aus Forschung ein Praxistool wurde.

Was das CLYOScope® anders macht
48 Eigenschaften statt 24. Die feinere Auflösung macht einen spürbaren Unterschied in der Präzision. Wo es bei 24 Stärken manchmal etwas grob blieb, wird es mit 48 Eigenschaften deutlich differenzierter. Das merkt man sofort, wenn man den Report in den Händen hält.
Jede Eigenschaft ist positiv – wirklich jede. Und das ist der Punkt, der mich am meisten überzeugt hat. Es gibt keine schlechten Stärken. Wenn etwas hakt, dann nicht, weil eine Stärke „zu viel“ ist, sondern weil die balancierende Komplementärstärke fehlt. Statt „Du bist zu risikofreudig“ heißt es: „Deine Risikobereitschaft ist großartig – und sie wird noch kraftvoller, wenn du auch dein Gefahrenbewusstsein einbeziehst.“ Das ist kein kosmetischer Unterschied – das verändert, wie Menschen über sich selbst denken.
Entwickelt für den deutschsprachigen Raum. Die Begriffe fühlen sich an wie Worte, die man tatsächlich benutzt. „Genussfähigkeit“, „Forschungsdrang“, „Unparteilichkeit“ – da muss man nichts übersetzen. Dazu eine Struktur aus 16 Themen und 8 Bereichen, die zeigt, wie Stärken zusammenhängen, welche Haltungen und Bedürfnisse dahinterstehen und wo es zwischen Menschen knirschen kann. Für die Coaching-Praxis ist das Gold wert.
Auswertungen, die in die Tiefe gehen. Der persönliche Report umfasst 30 Seiten – mit konkreten Impulsen für Alltag und Beruf, einer Komplementärstärken-Analyse und Reflexionsfragen. Das ist keine oberflächliche Einordnung, sondern eine echte Arbeitsgrundlage. Und zu jeder der 48 Eigenschaften gibt es ein kurzes Erklärvideo auf YouTube – hilfreich zum Einstieg und zur Vertiefung zwischen den Coaching-Sitzungen.
Was mir mein eigenes Profil gezeigt hat
Meine Top-Stärken: Auffassungsgabe, Kreativität, Risikobereitschaft, Genussfähigkeit, Reflexionsfähigkeit, Talentförderung, Expressivität, Forschungsdrang, Unparteilichkeit und Humor. Vieles davon hätte ich so erwartet.
Was mich überrascht hat: wie das Zusammenspiel plötzlich Sinn ergab. Kreativität gepaart mit Forschungsdrang und Risikobereitschaft – kein Wunder, dass ich ständig neue Dinge ausprobiere. Reflexionsfähigkeit zusammen mit Unparteilichkeit – das erklärt, warum ich in Konflikten eher vermittle als mich auf eine Seite zu schlagen.
Und dann die Komplementärstärken: Meine Kreativität steht im Spannungsfeld mit Schaffensdrang. Übersetzt: Ich habe tausend Ideen, aber beim Umsetzen wird es manchmal dünn. Das saß. Nicht als Vorwurf, sondern als ehrliche Einladung, genau dort hinzuschauen.

Kein Entweder-oder – aber eine klare Empfehlung
Gute Diagnostik lebt davon, dass man das richtige Instrument für den richtigen Anlass wählt. Aber wenn mich jemand fragt, welchen Stärkentest ich für den deutschsprachigen Raum empfehle – wissenschaftlich fundiert, konsequent positiv, sprachlich ohne Übersetzungshürde, mit Tiefgang in der Auswertung – dann ist meine Antwort inzwischen klar.
Mit Coachings zwischenzeitlich im zweistelligen Bereich tauche ich immer tiefer in die Feinheiten ein. Das Tool wächst mit der Praxis – und die Praxis wächst mit dem Tool.
Und ein Ausblick, der mich besonders freut: Eine englische Version ist in Planung. Dann kann ich auch in internationalen Teamentwicklungen das CLYOScope® nutzen. Das würde einiges mehr möglich machen.
Chapeau an das CLYOS-Team und insbesondere an den wissenschaftlichen Leiter Alexander Stahlmann. Was ihr da auf die Beine gestellt habt, ist beeindruckend.
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Offenlegung: Ich arbeite mit dem CLYOScope® und war in der ersten Zertifizierungsgruppe dabei. Ich bin von dem Tool überzeugt – aber genau deshalb arbeite ich damit, nicht andersherum.

